Direkt zum Inhalt

Champagnerflasche öffnen: leiser Seufzer statt lauter Knall

Champagnerflasche öffnen: leiser Seufzer statt lauter Knall

Rund sechs Bar Druck stecken in einer Flasche Champagner, etwa dreimal so viel wie in einem Autoreifen. Wer Champagner öffnen will, dreht deshalb die Flasche statt des Korkens, hält den Verschluss fest und lässt das Gas mit einem leisen Seufzer entweichen.

Die Handgriffe im Überblick

  • Flasche gut kühlen, ideal sind 8 bis 10 Grad.
  • Drahtkorb mit sechs halben Umdrehungen lösen, der Daumen bleibt auf dem Verschluss.
  • Flasche im Winkel von 45 Grad halten und langsam drehen, nicht den Stopfen.
  • Ein leises Zischen statt eines Knalls bewahrt die Perlage.

Wie öffne ich eine Flasche Champagner richtig?

Alles beginnt mit der Temperatur. Eine zu warme Flasche baut mehr Druck auf und schäumt beim Öffnen über. Stellen Sie sie einige Stunden in den Kühlschrank oder etwa 20 Minuten in einen Kübel mit Wasser und Eis; die passende Trinktemperatur erklärt unsere Seite zur idealen Temperatur für Champagner. Trocknen Sie die Flasche danach ab, damit sie nicht aus der Hand rutscht, und vergessen Sie nicht, die Gläser vorher bereitzustellen.

  1. Die Folie an der Lasche oder knapp unterhalb des Drahtes abziehen.
  2. Den Daumen auf den Korken legen und die Agraffe, also den Drahtkorb, mit sechs halben Umdrehungen gegen den Uhrzeigersinn lockern. Den Korb können Sie auf dem Kopf lassen: Er gibt zusätzlichen Halt.
  3. Die Flasche im Winkel von rund 45 Grad halten, die Öffnung weg von Personen, Lampen und Fenstern.
  4. Mit einer Hand den Verschluss umschließen, mit der anderen die Flasche am Boden langsam drehen.
  5. Sobald Sie den Druck spüren, leicht gegenhalten und den Stopfen sanft herausgleiten lassen.

Warum knallt der Korken so laut?

Das Gas in der Flasche ist Kohlendioxid aus der zweiten Gärung. Es entsteht bei der Flaschengärung nach der Méthode champenoise und bleibt unter Druck im Wein gelöst, bis der Verschluss nachgibt. Wird der Stopfen nicht gebremst, schießt er wie ein Geschoss heraus, und der Druck gleicht sich schlagartig aus: Das ist der Knall. Dabei entweicht ein Teil der Kohlensäure, die später im Glas die feine Perlage bilden soll, und oft läuft Schaum über den Flaschenhals.

Der Knall ist auch ein Sicherheitsthema. Zum Jahreswechsel berichten die Nachrichten jedes Jahr von Augenverletzungen durch Sektkorken, und Augenärzte raten, die Flasche nie auf Gesichter zu richten. Viele Video-Anleitungen zeigen trotzdem den großen Auftritt mit Fontäne; für den Genuss ist er die schlechteste Methode.

Tipps für einen leisen Seufzer statt eines Knalls

Kellermeister in der Champagne sprechen vom „soupir", dem Seufzer: ein leises Zischen, kaum hörbar. Heute gilt ein lauter Knall unter Sommeliers als Zeichen fehlender Technik. Diese Handgriffe helfen:

  • Ein Küchentuch über den Verschluss legen, wenn Sie unsicher sind: Es verbessert den Griff und fängt ihn auf, falls er doch springt.
  • Die Flasche nicht schütteln und nach dem Transport einige Zeit ruhen lassen.
  • Einen festsitzenden, unbeschädigten Stopfen mit einer Champagnerzange lockern statt mit Gewalt.
  • Sofort nach dem Öffnen einen kleinen Schluck in ein Glas gießen: So steigt kein Schaum über den Rand.

Schenken Sie danach in zwei Etappen ein und füllen Sie jedes Glas zunächst nur zu einem Drittel, bis sich der Schaum gesetzt hat. Welche Form das Bukett am besten zeigt, vergleicht unser Beitrag über Gläser von der Flöte bis zur Tulpe.

Champagner mit einem Säbel öffnen: die Sabrage

Die Sabrage geht der Überlieferung nach auf die Husaren Napoleons zurück. Dabei gleitet die stumpfe Seite eines Säbels entlang der Naht der gut gekühlten Flasche bis zum Hals; der Innendruck sprengt den Glasring samt Verschluss ab. Wer es versuchen möchte, entfernt vorher Folie und Drahtkorb, arbeitet im Freien und zielt nie auf Menschen. Glassplitter sind möglich, deshalb bleibt die Drehmethode für den Alltag die sicherere Wahl. Für Großformate aus der Übersicht der Flaschengrößen von Piccolo bis Nebukadnezar gilt dieselbe Drehtechnik, nur braucht die schwere Flasche eine stabile Unterlage.

Und im Flugzeug? In der Kabine ist der Luftdruck niedriger als am Boden, der Unterschied zum Druck in der Flasche also größer. Dort übernimmt das Personal das Einschenken, und es öffnet besonders langsam.

Fragen rund ums Öffnen

Was tun, wenn der Stopfen abbricht?

Einen abgebrochenen Stopfen ziehen Sie mit einem Korkenzieher heraus, während die Flasche schräg gehalten wird. Drehen Sie langsam: Der Restdruck kann den Rest von selbst herausdrücken.

Wie lange bleibt eine geöffnete Flasche frisch?

Mit einem gut schließenden Champagnerverschluss und im Kühlschrank hält die Perlage etwa ein bis zwei Tage. Ein Löffel im Flaschenhals hilft dabei nicht, der Verschluss schon.

Wo finde ich weitere Informationen zum Servieren?

Auf unserer Startseite finden Sie weitere Informationen zu Lagerung, Temperatur und Verkostung von Champagne und anderen Schaumweinen.

Erschienen am - Zuletzt aktualisiert am

↑